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Haltung bei der Bearbeitung eines Vorderbeins, Hufbearbeitung mit Raspel

6 einfache Tipps für Neulinge in der Hufbearbeitung

Wenn man sich erstmals daran macht die Hufe seines Schützlings selbst zu maniküren, so wird man anfangs mit allerlei Hürden konfrontiert. Einerseits ist natürlich das richtige Know-How um den Pferdehuf ansich, d.h. wie dieser optimalerweise für das einzelne Individuum aussehen soll, die grundlegende Basis.

Dieses Wissen solltest du dir in der Praxis von Profis aneignen, d.h. in persönlichen Huf-Kursen. Lernen aus dem Internet ist hierfür leider völlig ungeeignet, da die Beurteilung von Pferdehufen in der Praxis stets das komplette Tier (und nicht nur den einzelnen Huf) einschließen sollte.

Wenn du bereits weißt, wie das Endergebnis – der fertig bearbeitete Huf – aussehen sollte, dann bleibt “nur noch” der Weg dort hin offen. Im Folgenden habe ich daher ein paar Tipps zusammengestellt, die mir persönlich die praktische Arbeit am Huf enorm erleichtert haben. Und von denen ich wünschte, jemand hätte sie mir ganz am Anfang gegeben 😉

Du hast eine Frage, die hier nicht beantwortet ist? Kein Problem, hinterlasse einfach einen Kommentar und ich werde versuchen so rasch als möglich darauf zu antworten.

Tipp 1: das richtige Werkzeug

Wer bereits in das Auto eines Barhufbearbeiters oder gar Hufschmieds geblickt hat, der ist oftmals erstaunt wie viel “Zeug” man offenbar für die Hufbearbeitung benötigt. Die gute Nachricht ist jedoch: für die Bearbeitung in “Eigenregie” benötigst du nur wenig Werkzeug. Richtig viele Utensilien benötigt man erst dann, wenn man viele unterschiedliche Pferde (und damit potenzielle Problemhufe) bearbeiten oder Hufschutz anbringen muss.

Am Anfang solltest du dir folgendes Sortiment an Werkzeug zulegen:

  • Hufauskratzer
  • Hufmesser
  • Raspel (Feile)
  • ev. Hufbock
  • ev. Zange (“Nipper”)
Meine Empfehlung für die erste Ausrüstung: lieber weniger, dafür gutes Werkzeug!

Der Hufauskratzer sollte zusätzlich über eine Bürste verfügen, damit du losen Dreck von den Hufen entfernen kannst.

Zum Hufmesser habe ich einen eigenen Artikel verfasst, in dem ich dir Tipps zum richtigen Messer und der Handhabung zusammengestellt habe.

Bei der Raspel solltest du darauf achten, dass sie eine feine und eine grobe Seite hat. Ob sie hingegen über einen Griff verfügt ist im Normalfall unerheblich – bei vielen Hufraspeln verabschiedet sich der Griff ohnehin nach kurzer Zeit. Davon abgesehen ist es oft zielführender, die Feile mit beiden Händen anzufassen, d.h. hier spielt der Griff keine Rolle.

Hufbock

Beim Hufbock scheiden sich gerne mal die Geister: manche arbeiten ausschließlich damit, manche komplett ohne und andere verwenden ihn nur für bestimmte Zwecke.
Der Vorteil bei der Arbeit ohne Bock ist, dass man flexibler ist (z.B. in der eigenen Positionierung zum Pferd) und sich das Pferd nicht davor erschrecken kann.
Der Nachteil ist, dass die Arbeit ohne Hufbock anstrengender ist. Wer die Hufbearbeitung also als Fitness-Programm sieht, kann anfangs getrost auf diese Investition verzichten 🙂

Ich persönlich verwende den Hufbock nur bei schweren Pferden (z.B. unserem Noriker), insbes. bei den Hunterhufen. Allerdings verwende ich den Bock nicht, um das Pferdebein gestreckt darauf zu stellen, sondern um den Huf mit angewinkeltem (entspanntem) Pferdebein darauf abzulegen.
Dafür gibt es extra Auflagen für viele Modelle, um diese Funktion zu unterstützen. Insbesondere bei den Hinterbeinen finden das viele Pferde richtiggehend entspannend, da sie hier die Hinterhand (wie beim Dösen) wunderbar entlasten können.

Lanzelot macht es vor: Ablegen der Hinterhand am Hufbock spart viel Kraft 😉

Wenn du also doch in einen Hufbock investieren möchtest, dann empfehle ich dir so ein Modell mit Auflagefläche. Diese kosten zwar ein bisschen mehr, aber dafür hast du hier einen echten Mehrwert. Ich persönlich verwende den „Hoof Jack“ (wie er auf dem Foto zu sehen ist) und du kannst diesen z.B. hier erwerben: Hoof Jack auf Amazon*

Hufzange

Ob du eine Hufzange verwendest oder nicht, ist ebenso individuelle Geschmacksfrage. Wenn du die Hufe in kurzen Intervallen (z.B. alle 2 Wochen) bearbeitest, wächst der Huf in dieser Zeit nur wenig, so dass du das überschüssige Horn auch sehr gut nur mit der Raspel entfernen kannst. Wenn du jedoch Stellungsfehler (z.B. lange Zehe) korrigieren musst oder aufgrund eines permanenten Hufschutzes (z.B. Klebe-Beschlag) die Hufe nur in größeren Abständen bearbeiten kannst, dann zahlt sich die Anschaffung einer Zange meist aus. Ansonsten musst du nämlich sehr lange raspeln und damit verschleißt die Hufraspel auch deutlich schneller.

Achtung ist auch bei sehr kleinen Pferden bzw. Ponies und Eseln geboten: bei diesen ist oftmals an den Vorderhufen so wenig Platz zum Hantieren, dass man mit den Enden der Zange leicht am Bauch ankommt und diese empfindlich reagieren können. In diesen Fällen würde ich daher vom Einsatz einer Hufzange eher abraten.

Falls du dir eine Hufzange zulegst, achte darauf dass es wirklich eine zum Kürzen der Hufe ist; rund um den Huf gibt es nämlich noch allerlei andere Zangen, z.B. zum Abnehmen von Hufeisen. Diese sind aufgrund ihrer Machart jedoch ungeeignet zum Zwicken von Hufhorn (es ist natürlich grundsätzlich trotzdem möglich, aber ungleich schwieriger).

Tipp 2: Reihenfolge

Wenn du das richtige Werkzeug parat hast, so stellt sich schnell die Frage: womit nun beginnen? Die Reihenfolge ist großteils eine Frage der persönlichen Präferenz; es gibt wenige Situationen, wo ein Schritt zwingend vor einem anderen erfolgen sollte. Solch eine Situation kann beispielsweise ein sehr ausgeprägter Strahl in Kombination mit sehr langer Wand sein: hier sollte zuerst der Strahl grob zurückgeschnitten werden, denn wenn zuerst die Wände gekürzt werden würden, würde das Pferd plötzlich sehr viel Druck auf den Strahl bekommen und das Stehen kann ihm unangenehm sein.

Von grob nach fein: zwicken, raspeln, schneiden, kontrollieren und ggf. nachbessern; fertig 🙂

Standard-Ablauf zur Hufbearbeitung

  1. Grob-Trim: Zunächst sollte die Statik des Hufs hergestellt und etwaige überschüssige Wand entfernt werden. Ob du dies mit der Hufzange oder der groben Seite der Hufraspel machst, ist egal (siehe vorheriger Abschnitt zu “Hufzange”). Dieser Schritt sollte deshalb der erste sein, da er die Höhe der Trachten und damit der Eckstreben vorgibt. Würde zuerst die Eckstrebe mit dem Hufmesser in Form gebracht werden, so muss nach einer Kürzung der Trachten die Eckstrebe nochmal nachgearbeitet werden.
  2. Schneiden: Im nächsten Schritt kommt das Hufmesser zum Einsatz. Mit diesem wird loses Sohlenhorn entfernt, die Eckstrebe angepasst, ggf. Feinheiten an der weißen Linie korrigiert und (falls nötig) Strahl sowie Strahlfurchen bearbeitet. Je nach Zustand der Hufe sowie abhängig davon ob du mit unterschiedlichen Messern arbeitest, kann es sinnvoll sein diesen Schritt in mehreren Durchgängen abzuschließen.
  3. Fein-Trim: Zu guter Letzt kann mit der feinen Seite der Raspel der “Feinschliff” an der Hufwand angebracht werden. Dabei werden die Kanten gebrochen, eine Senke eingearbeitet und ggf. eine Zehenrichtung oder Rundung angebracht.
  4. Kastanien und Sporn: insbesondere bei Kaltblütern ist es häufig nötig die Kastanien und/oder den Sporn an der Fessel zu kürzen, damit diese nicht bis in die Haut ein- oder abreißen. Dieser Schritt könnte auch zu Beginn oder zwischen den anderen Arbeitsschritten durchgeführt werden; persönlich finde ich es aber am angenehmsten diesen Punkt quasi als “einfache Belohnung” am Ende durchzuführen.

Tipp 3: Sicherheit

Sicherheit sollte stets an oberster Stelle stehen. Sowohl deine eigene Sicherheit, als auch die des jeweiligen Pferdes und auch jene der Umwelt. Beim Hantieren mit den scharfen Messern, einer schweren Raspel und einem klobigen Hufbock kann es in einem Schreckmoment schnell zu Verletzungen kommen!

Platz

Achte daher insbesondere am Anfang auf ausreichend Platz, so lange du und dein Pferd noch nicht ganz routiniert seid bei der Hufbearbeitung. D.h. wenn du dein Pferd zur Bearbeitung beispielsweise am Putzplatz anhängst, sollte nicht direkt daneben ein zweites Pferd stehen.

Du solltest außerdem stets genügend Platz zum Ausweichen haben, falls dein Pferd z.B. einen Ausgleichsschritt zur Seite macht. Sorge daher dafür, dass du nie zwischen dem Pferd und einer Wand stehst. Räume außerdem stets unnötiges “Gerümpel” aus dem Weg (Scheibtruhe, Putzkiste, Besen, etc.).

Außerdem solltest du dein Werkzeug stets großräumig zur Seite räumen, wenn du es gerade nicht brauchst – insbes. Hufmesser sollten nie am Boden herum liegen!

Kleidung

Um dich selbst vor Verletzungen zu schützen, ist auch die richtige Kleidung wichtig.

Handschuhe

Besondere Bedeutung kommt hierbei den Händen zu. Ungeschützt können nicht nur schnell Schnittverletzungen zustande kommen, sondern auch offene Handflächen vom Angreifen der Raspel. Außerdem sind die abgezwickten Kanten am Huf nach dem Zwicken und vor dem Feilen oft messerscharf und führen ebenso leicht zu kleinen Schnitten in den Handflächen.

Ich weiß wovon ich rede: ich habe in meinen Anfängen stets ohne Handschuhe gearbeitet, um ein besseres Gefühl in den Händen zu haben. Das Ergebnis: meine Hände haben regelmäßig ausgesehen als ob sie einer tollwütigen Katze zum Opfer gefallen wären!

Gute Handschuhe sind daher mMn. das wichtigste Kleidungsstück. Wichtig ist, dass die Handschuhe robust (keine Reithandschuhe oder Handschuhe für die Gartenarbeit) und atmungsaktiv sind. Denn wenn deine Hände bei der Arbeit zu schwitzen beginnen, kannst du das Werkzeug nicht mehr präzise führen und es entstehen leicht Fehler.

Nicht nur das Werkzeug, sondern auch die Hufe können während der Arbeit scharfkantig sein!

Besonders bewährt haben sich hier Schnittschutzhandschuhe von Arbeitskleidungsherstellern. Diese sind oftmals mit dünnen Metallfäden durchzogen, wodurch sie dich optimal vor Verletzungen schützen ohne aus allzu dickem Material zu bestehen. Damit ist sowohl die Atmungsaktivität als auch die Beweglichkeit weiterhin sehr gut gegeben.

Unterarme

Besonders am Anfang rate ich außerdem dazu, nur mit bedeckten Unterarmen zu arbeiten. Sowohl mit dem Hufmesser als auch mit der Raspel kann es anfangs schnell passieren dass man am Huf abrutscht und sich unangenehme Verletzungen zuzieht.

Wer nicht mit Pullover oder langem T-Shirt arbeiten möchte, kann sich auch einen eigenen Unterarmschutz zulegen. Dieser ist einfach ein Stück festes Leder, welches um den Unterarm geschnallt wird und damit effektiv Verletzungen vorbeugt. Allerdings muss dieser erst eingearbeitet werden, da er am Anfang aufgrund der Dicke des Leders etwas steif ist. Damit kann der Unterarmschutz anfangs die feinfühlige Arbeit mit dem Hufmesser erschweren.
Das war für mich schließlich der Grund, warum ich lieber mit einer leichten Jacke als dem Unterarmschutz gearbeitet habe.

Hufschürze

Das wohl typischste Kleidungsstück eines Hufschmieds ist die Hufschürze. Sie bietet der darunterliegenden Kleidung (bzw. den Beinen) Schutz und verfügt zusätzlich über Taschen und Magnete, in bzw. an denen allerlei Utensilien befestigt werden können; Hufauskratzer, Messer und Nägel sind so jederzeit in praktischer Reichweite. Die Anschaffung einer solchen Schürze kann sich daher durchaus lohnen.

Jedoch hat die Hufschürze auch ein paar Nachteile: einerseits wäre da die Wärmeentwicklung. Da die Schürze aus robustem Leder besteht, kann es darunter ganz schön warm werden. Und da man anfangs aufgrund der ungewohnten Muskelbelastung ohnehin rasch ins Schwitzen kommt, kann die Hufschürze hier (insbesondere im Sommer) nachteilig sein. Allerdings ist dies auch vom Modell abhängig; manche Ausführungen sind kürzer (bedecken nur die Vorder- und Innenseite der Oberschenkel) und aus dünnerem Leder gefertigt. Hier hilft nur: ausprobieren.

Ein weiterer Nachteil ist die eingeschränkte Beweglichkeit. Auch hier gibt es natürlich Unterschiede je nach Modell, aber da eine Schürze nunmal Schutz bieten soll, bringen alle eine gewisse Festigkeit mit sich. Zudem kann die Verschnallung am Bauch bei der vorgebeugten Arbeit ungewohnt sein und tlw. einschnüren. Auch hier solltest du unterschiedliche Modelle anprobieren und in typischer Körperhaltung testen, um die für dich bequemste Schürze zu finden.

Ich persönlich arbeite ohne Hufschürze, da mich insbes. die eingeschränkte Beweglichkeit stört. Allerdings mussten aufgrund dessen auch schon mehrere Hosen ihr Leben lassen, da der Stoff natürlich ohne Schutz deutlich schneller verschleißt. Bewährt haben sich auch hier Modelle aus der Welt der Arbeitskleidung, z.B. von KFZ-Technikern, da diese oftmals aus besonders abriebfesten Materialien gefertigt sind.

Schuhe

Die menschlichen Füße sind bei der Hufbearbeitung ein natürliches Verletzungspotenzial und sollten daher entsprechend geschützt werden. Bewährt haben sich hier robuste Schuhe, mit denen man eine gute Standfestigkeit hat, allerdings ohne metallene Zehenkappen. Grund: es gab bereits Vorfälle, bei denen sich die Metallkappe bei einem Tritt eines Pferdehufs nach innen gedrückt hat! Der Fuß musste schließlich aus dem Schuh geschnitten werden, da die Zehenkappe aus Metall natürlich permanent verformt war.

Daher sollte eher darauf geachtet werden, dass das Material der Schuhe zwar robust, aber verformbar ist.

Halbhohe Sicherheitsschuhe mit Zehenverstärkung, aber ohne metallene Zehenkappe: perfekte Schuhe für die Hufbearbeitung.

Noch besser ist es allerdings, bei der Hufbearbeitung stets darauf zu achten wo sich die eigenen Füße befinden. Diese solltest du nie so mit den Pferdebeinen zu “verwinden”, dass du im Falle einer Ausgleichsbewegung des Pferdes nicht schnell genug weg kommst.
Pferde, die dazu tendieren sich auf das angehobene Bein zu lehnen und damit schneller mal unabsichtlich auf menschliche Füße steigen, sollten zur Bearbeitung auf einen Hufbock gelegt werden (und natürlich parallel trainiert werden, so dass sie ihr Gleichgewicht besser selbst halten können).

Prävention ist hier besser als jeder Sicherheitsschuh!

Tipp 4: Kraft einteilen

Ich will es nicht schön reden: Hufbearbeitung ist anstrengend. Sehr sogar – ich würde es als “Knochenjob” bezeichnen! Gerade als Neuling in der praktischen Hufbearbeitung unterschätzt man die körperliche Anstrengung, die damit einhergeht.

Dies ist natürlich sowohl von der eigenen Kondition abhängig (wer über eine gute Ausdauer sowie einen kräftigen Rücken und trainierte Beine verfügt, wird es leichter haben als ein Sportmuffel wie ich es bin 😇), als auch vom jeweiligen Pferd.

Bei letzterem spielt einerseits die Größe bzw. das Gewicht eine Rolle. Meiner Erfahrung nach sind mittelgroße Tiere mit einem Stockmaß von ca. 1,50m ideal: größere Pferde haben deutlich schwerere Gliedmaßen, wohingegen kleinere Equiden oftmals sehr bewegliche (= instabile) Gelenke haben und bei der Bearbeitung daher mehr stabilisiert werden müssen. Zudem kann die eigene Körperhaltung bei Ponies und Eseln oft übermäßig anstrengend werden, da man sehr bodennah arbeiten muss.

Ausschlaggebender als die Größe bzw. das Gewicht ist aber häufig die Mitarbeit des Pferdes. Wenig ausbalancierte Tiere kosten ungleich mehr Kraft als gut balancierte Pferde. Das Training für Balance und Gleichgewicht zahlt sich daher nicht nur in Hinblick auf Gesunderhaltung und das Reiten aus!

Langsam steigern

Damit du deine Kraft und Ausdauer für die Hufbearbeitung langsam trainieren kannst, können dir folgende Ansätze helfen:

  • Lieber häufiger, dafür wenig: je öfter du die Hufe deines Pferdes bearbeitest, desto weniger musst du bei jeder Session machen. Kurze Abstände zwischen den Bearbeitungen sind daher nicht nur für den Huf vorteilhaft (da die Veränderungen bei jeder Bearbeitung nicht so groß sind), sondern auch für deinen Konditionsaufbau 😉
Typischer Anblick meiner Anfänge: ich, total K.O. nach der Hufbearbeitung 🙂
  • Hufe immer abschließen: wenn du merkst, dass deine Kraft schwindet und du nicht alle 4 Hufe auf einmal schaffst, so ist das keinesfalls eine Schande. Du solltest jedoch darauf achten, dass du Hufe immer abschließt; d.h. nicht 4 Hufe zwicken und raspeln und dafür nicht schneiden, sondern besser 2 Hufe komplett auslassen und dafür 2 Hufe komplett fertig stellen.
  • Hufe immer paarweise bearbeiten: wenn du nicht alle 4 Hufe auf einmal machst, dann wähle jeweils ein Hufpaar das du fertig machst, z.B. beide Vorderhufe oder nur beide Hinterhufe. Lasse niemals eine Asymmetrie zwischen links und rechts entstehen! Denn das kann zu massiven negativen Auswirkungen auf die natürliche Schiefe des Pferdes haben. Das wäre, als ob du auf einem Fuß einen Stöckelschuh und auf dem anderen einen Wanderschuh tragen würdest – keine angenehme Vorstellung, oder?

Tipp 5: Ergonomie bei der Hufbearbeitung

Besonders bei körperlich schweren Aktivitäten tendieren wir Menschen dazu sehr wenig auf unsere Körperhaltung zu achten (na gut, nicht nur Menschen, sondern Lebewesen allgemein 😉 ). Denn ergonomische Haltung und Bewegung sind oftmals im Moment deutlich anstrengender als unergonomische.

Auf lange Frist macht sich eine unergonomische Haltungsform jedoch deutlich negativ bemerkbar, in Form von gesteigertem Verletzungsrisiko (z.B. Sehnenschäden) oder unnatürlichem Verschleiß (z.B. weil Gelenke anders belastet werden, als sie von Natur aus ausgelegt wären).

Dies trifft insbesondere auf die Hufbearbeitung zu, da die Tätigkeit hier nicht nur körperlich herausfordernd ist, sondern zudem auch mental höchste Aufmerksamkeit verlangt (Schneide ich richtig? Macht mein Pferd gleich eine Ausgleichsbewegung?).
Es ist daher sehr wichtig, immer wieder die eigene Haltung bewusst zu überprüfen und ggf. zu korrigieren.
Ebenso sind regelmäßige Pausen wichtig, um den gesamten Körper auszuschütteln, Muskeln zu entspannen und sich eine kurze “Denkpause” zu gönnen. Man könnte hier gewisse Analogien zum Reiten ziehen, wo unsere Pferde ja auch nach Reprisen in der Versammlung wieder mit Entspannung abwechseln sollten.

Was ist nun die richtige Körperhaltung?

Aus meiner Sicht gibt es insbes. zwei häufige Fehlerquellen: der Rücken und die Handgelenke.

Belastung des Rückens

Der Rücken wird über die ständig vorgebeugte Haltung beansprucht; hier solltest du darauf achten, den Rücken nicht oder nur wenig zu krümmen und dafür deine Bauchmuskulatur zur Unterstützung zu verwenden. Auch hier die Analogie zu unseren Pferden: nur mit aktiver Bauchmuskulatur kann der Rücken schonend belastet werden 🙂

Zur Entlastung des Rückens kannst du auch auf Sitzgelegenheiten (z.B. einen kleinen Hocker oder eine robuste Putzkiste) zurückgreifen. Dies ist zwar aus Sicherheitsgründen als riskant zu beurteilen (sitzenderweise ist dein Reaktionsweg in einer Gefahrensituation deutlich länger), aber wenn du ein gut ausbalanciertes und nicht schreckhaftes Pferd hast, so kannst du dich für gewisse Arbeitsschritte (z.B. Ausschneiden) immer wieder hinsetzen.

Bei besonders kleinen Tieren hat es sich zudem bewährt, manche Arbeitsgänge in der Hocke auszuführen. So kannst du besser unter dem “niedrigen” Bauch hantieren.

Beanspruchung der Hände

Die richtige Handhaltung kommt hingegen auf den jeweiligen Arbeitsschritt an; insbesondere die Handgelenke sind schnell beleidigt (Sehnenentzündung), wenn man versucht mit viel Kraft aus dem Handgelenk zu arbeiten. Besser ist es hierbei, mit wenig Kraft und “fließenden” Bewegungen zu arbeiten (z.B. wenn man die Sohle beschneidet) oder mit “starrem” Handgelenk zu hantieren (z.B. wenn man einen geraden Schnitt am Strahl durchführt).
Da die Handgelenke insbes. beim Schneiden beansprucht werden, findest du mehr Tipps dazu in meinem Artikel über die effiziente Arbeit mit dem Hufmesser.

Eine weitere Arbeitserleichterung kann der Hufbock darstellen; wie bereits im Abschnitt “Werkzeug” erwähnt, setze ich den Hufbock am liebsten zum Ablegen von schweren (Hinter-)Hufen ein, da man so “nur noch” die Kraft zum Arbeiten in den Armen bzw. zum Stabilisieren des Beins am Hufbock benötigt, aber nicht mehr zum aktiven Halten. Bei so einem leichten Noriker-Beinchen macht das einen wesentlichen Unterschied in der benötigten Körperkraft 😉

Tipp 6: mach’ dir das Leben nicht schwerer als nötig

Dies ist vielleicht der wichtigste Tipp überhaupt: Hufbearbeitung ist per se bereits schwer genug; du musst dir die Arbeit daher nicht schwieriger als unnötig gestalten!

Gestalte deine Umwelt

Viele Pferdemenschen sehen es als Schwäche an, wenn Leute die Umwelt für ihre Pferde möglichst optimal gestalten, so dass das “Diskussionspotenzial” mit den Pferden möglichst minimiert wird. Aus Sicht des Verhaltenstrainings ist dies jedoch die erste Option, die genutzt werden sollte: gestalte das Umfeld möglichst so, dass dem Tier die richtige (= des Menschen gewünschte) Lösung möglichst einfach fällt.

Dieser Ansatz gilt auch für die Hufbearbeitung:

  • Wenn du ein schreckhaftes oder leicht nervöses Pferd hast, dann arbeite nicht in stressiger Umgebung (z.B. bei Wind, besonders viel Trubel am Hof, wenn die Herde gerade auf die neue Weide kommt etc.). Parallel solltest du natürlich an der Schreckhaftigkeit arbeiten, aber dies sollte separat von der Hufbearbeitung passieren! Erst wenn dein Pferd eine gewisse Stressresistenz in “normalem” Umfeld entwickelt hat, kannst du auch die Hufbearbeitung in “herausfordernderen” Situationen angehen. Und das ist ja genau einer der Vorteile, wenn du die Hufe selbst bearbeitest: du kannst dir den Zeitpunkt selbst aussuchen und bist nicht auf einen bestimmten Termin mit dem Hufbearbeiter angewiesen.
  • Wenn es deinem Pferd schwer fällt länger ruhig zu stehen (egal ob aufgrund von mangelnder Balance oder von Ungeübtheit z.B. bei jungen Pferden), dann biete ihm Beschäftigung. Das kann z.B. eine zweite Person sein, die das Pferd ablenkt. Oder ein Heusack. Dieser ist nicht nur zwecks Beschäftigung sinnvoll, sondern auch weil du damit wunderbar die Kopfhaltung des Pferdes beeinflussen kannst. Gerade wenn dein Pferd dazu tendiert sich auf die Vorderbeine zu stützen, so kannst du den Heusack etwas höher anbringen so dass dein Liebling den Kopf höher hält und sich damit weniger auf die Vorderbeine “schmeißt”.
Der Heusack: kein Zeichen von unerzogenen Pferden, sondern von verständnisvoller Beziehung!
  • Wenn sich dein Pferd alleine am Putzplatz unwohl fühlt, stelle ein zweites (ruhiges) Pferd dazu. Achte allerdings auf ausreichend Platz zwischen den Tieren, damit es hier während der Hufbearbeitung nicht zu Problemen kommt!
  • Wenn die Hufe z.B. aufgrund von Trockenheit sehr hart sind, weiche sie zunächst ein. Wenn dein Pferd noch nicht gelernt hat die Füße in einen Kübel mit Wasser zu stellen, so kannst du alternativ einen Bereich auf einer Wiese oder Sand gut durchwässern und dein Pferd (z.B. mit Futter) dort hin stellen. Auch hinsichtlich Tageszeit kannst du dir die Arbeit erleichtern: in den Morgenstunden sind die Hufe meist weicher (aufgrund der kühleren und oft feuchteren Nächte), als wenn sie untertags stundenlang auf trockenem Sand gestanden sind.

Hör‘ auf deinen Körper

Wenn du die Umwelt für dich und dein Pferd möglichst angenehm gestaltet hast, dann kannst du noch folgende Bereiche optimieren: erstmal deine eigenen Tagesverfassung. Starte nicht mit der Hufbearbeitung, wenn du schlechte Laune oder Stress hast. Am Ende der Huf-Session sollten weder dein Pferd noch du frustriert sein. Das wäre ansonsten eine denkbar schlechte Basis für das nächste Mal 😉

Fange ebenfalls nicht mit der Maniküre an, wenn du dich körperlich nicht 100% fit fühlst (z.B. verkühlt oder müde bist oder Muskelkater hast). Dies erschwert dir nicht nur die Arbeit ungemein, sondern auch das Verletzungsrisiko steigt unnötigerweise.

Diese Faktoren werden unwichtiger, je routinierter du bei der Hufbearbeitung wirst und je besser du dabei mit deinem Pferd eingespielt bist. Am Anfang können diese Punkte jedoch entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sein!

Fazit

Hufbearbeitung ist ein Knochenjob; damit die Arbeit leichter fällt, solltest du die Umwelt für dich und dein Pferd möglichst optimal gestalten und gewisse Vorbereitungen treffen. Das richtige Werkzeug kann dir die Arbeit ebenfalls enorm erleichtern; eine gewisse Investition in die richtigen Utensilien sowie in sichere Arbeitskleidung lohnen sich daher auf jeden Fall. Zu guter Letzt solltest du deinen eigenen Körper richtig einschätzen, ihn bewusst einsetzen und dir deine Kraft gut einteilen, anstatt dich zu übernehmen.

Mit diesen einfachen Tipps wirst du rasch merken, dass die Maniküre deines Lieblings mit jedem Mal einfacher wird! Viel Erfolg beim Ausprobieren 🙂

Hinweis: diese Tipps ersetzen nicht fachlichen Rat vor Ort – wenn du dich unsicher fühlst oder das Gefühl hast dass die Arbeit aus dem Ruder läuft, solltest du unbedingt einen Profi zu Rate ziehen! Dieser kann dir oftmals sehr rasch ein paar individuelle Kniffe zeigen oder auf spezifische Probleme hinweisen, so dass du danach wieder selbstständig weiter arbeiten kannst.
In Österreich findest du beispielsweise eine Anlaufstelle bei der Österreichischen Gesellschaft für Hufgesundheit.

4 comments

    • Nathalie Kurz says:

      Hallo Miriam!
      Ich finde es super, dass du dich mit diesem Thema beschäftigen möchtest 🙂 leider kann ich dir für Deutschland keine dezidierte Empfehlung geben, da ich hier zu wenige Leute kenne…aber die meisten Ausbildungsinstitute bieten auch Einzelkurse für Pferdebesitzer an, z. B. die DHG (https://www.dhgev.de/termine) oder das LTZ (https://www.zanger-pferd.de/). Aber auch viele Hufbearbeiter bieten Einsteigerkurse an – am besten fragst du dazu mal deinen aktuellen Hufbearbeiter, der kann dir in deiner Gegend sicher weiterhelfen.
      Viel Erfolg!

  1. Deborah Treiber says:

    Toller Artikel!

    Was mir am Anfang bei der Bearbeitung auch noch super geholfen hat ist eine Drahtbürste für 2-3 € aus dem Baumarkt. Damit in allen Richtungen kräftig über den Huf, holt allen Dreck aus den feinen Ritzen und die meisten Steine aus der weißen Line. Man sieht viel besser, kann dadurch die Sohle besser beurteilen und schont das Werkzeug.
    Ich nutze die auch gerne wenn ich Hufe auskratze.

    Liebe Grüße

    Deborah und Mio

    • Nathalie Kurz says:

      Hallo Deborah!
      Vielen Dank für dein Feedback und deine tolle Ergänzung – oftmals sind es genau diese Kleinigkeiten, die eine große Verbesserung/Vereinfachung bewirken können 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Nathalie

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