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verschiedene Kunststoff-Hufbeschläge

Warum Hufeisen schlecht sind und es trotzdem nicht immer Barhuf sein muss

In diesem Artikel möchte ich dir erklären, warum Barhuf für ein gesundes Pferd am besten ist, wann trotzdem ein Schutz sinnvoll sein kann und warum das kein Hufeisen sein sollte.

Eigentlich war ich ja der Meinung, dass so ein Artikel gar nicht nötig ist, da die Pferdewelt mittlerweile aufgeklärt genug ist was die Hufe betrifft. Aber weit gefehlt! Ich treffe immer wieder (erstaunlich häufig) Pferdemenschen, die sich zwar sehr intensiv mit Training, Fütterung, Muskulatur und ganz allgemein Pferdegesundheit auseinander setzen, aber deren Pferde trotzdem mit Hufeisen beschlagen sind.

Es versetzt mich dabei regelmäßig in Staunen, wie wenig sich ein Großteil der Pferdebesitzer mit Hufgesundheit beschäftigen und dementsprechend auskennen. Auf die Frage, warum ihre Pferde Eisen tragen, ernte ich oft verständnislose Blicke und die überzeugte Antwort: “Na weil er/sie die braucht, die hatte er/sie schon immer oben!”.

Daher möchte ich an dieser Stelle gerne mit dem Mythos aufräumen, wann Pferde tatsächlich einen Hufschutz benötigen und warum das in 99,9% der Fälle kein eiserner Beschlag sein sollte.

Wie funktioniert der Huf?

Um das zu verstehen, muss man sich ein bisschen mit der Anatomie und den Funktionen der Hufe beschäftigen. Keine Sorge, ich halte die Erklärung einfach, denn dazu gibt es bereits jede Menge ausführlichen Materials im Internet 😉

Der Hufmechanismus

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Das Pferd hat fünf Herzen; eines in der Brust und eines in jedem Huf.
Dies fasst eine wesentliche Aufgabe des Hufs kompakt zusammen: der Huf des Pferdes dient als Blutpumpe.

Damit ist gemeint, dass der Huf die Fähigkeit hat sich zu weiten und wieder zusammenzuziehen. Dies funktioniert aufgrund der Hufanatomie: die äußere Schicht des Hufs (die Hufkapsel) wird durch die Hufwand gebildet. Diese besteht aus relativ festem Horn; alle anderen Strukturen im Huf sind (mit Ausnahme der Knochen) weicher.

Wenn nun das Pferd einen Huf belastet, so entsteht durch das Gewicht des Pferdes Druck auf den Huf. Da die Hufwand den Huf jedoch nicht komplett umschließt sondern an den Ballen aufhört (d.h. quasi einen offenen Ring darstellt), kann der Huf diesem Druck nachgeben, indem er sich an den Ballen auseinander bewegt (also breiter wird). Sobald das Pferd den Huf weniger oder gar nicht belastet, zieht sich der Huf wieder zusammen.

Bei jedem dieser Zyklen von Be- und Entlastung (also bei jedem Schritt des Pferdes) werden dabei die Blutgefäße im Huf geweitet und verengt, da sich der Abstand vom Hufbein zur Hufwand vergrößert und verkleiner. Dies bewirkt, dass bei jeder Weitung des Hufs (also bei Belastung) das Blut förmlich in den Huf hinein gesogen wird, wohingegen es hinausgepresst wird sobald der Huf entlastet wird (und sich wieder zusammen zieht).

Zur besseren Vorstellung kann ich dir sehr empfehlen, den Hufmechanismus in Videos zu betrachten; die „Sweedish Hoof School“ hat hierzu ein paar sehr interessante Kurzfilme auf YouTube veröffentlicht.

Die Pumpfunktion des Hufs hat nicht nur Auswirkungen auf den Huf selbst, sondern ist wesentlich für die Durchblutung des gesamten Beins. Da das Pferd ab den Karpal-/Sprunggelenken abwärts keine Muskeln (sondern nur noch Sehnen) hat, ist der Huf für die Blutzirkulation des gesamten Beins hauptverantwortlich. Ist der Hufmechanismus eingeschränkt, wird somit nicht nur der Huf, sondern die gesamte Gliedmaße deutlich weniger durchblutet.

Der Huf als Stoßdämpfer

Weiters dient der Huf als Stoßdämpfer: durch die Weitung des Hufs beim Aufsetzen auf den Boden absorbiert der Huf einen Teil der Energie.

Dies wird nicht nur durch die Dehnung der Hufkapsel bewirkt, sondern in besonderem Ausmaß auch vom Strahl. Dieser besteht bekanntlich aus relativ weichem Horn, welches sich gut verformen lässt. Bei einem gesunden Huf trägt der mittlere und hintere Teil des Strahls das Gewicht des Pferdes mit. Das bedeutet, dass sich die Belastung beim Aufsetzen des Hufs auf die Hufwand und den Strahl verteilt. Das weiche Strahlhorn fungiert dabei quasi als Polster, welcher direkt unter dem knöchernen Hufbein sitzt und so eine entscheidende Dämpfungsfunktion hat.

Der Huf als Tastorgan

Besondere Funktion kommt dem Huf auch hinsichtlich der Körperwahrnehmung zu. Denn der Huf ist kein totes Gebilde am Ende des Pferdebeins, sondern vielmehr ein sensibles, mit einer großen Menge an Nervenbahnen durchzogenes Gewebe. Damit kann der Pferdehuf den Untergrund sehr gut “ertasten”.

Das Pferd kann über den Huf daher die Beschaffenheit des Bodens erfühlen. Das funktioniert über die erstaunlich hohe Verformbarkeit der Hufkapsel sowie der Sohle und des Strahls. Nicht nur spitze Steine können (schmerzhaft) wahrgenommen werden, sondern auch wichtige Eigenschaften des Bodens: Halt und Rutschfestigkeit, Unebenheiten etc.

Der Huf als Tastorgan trägt daher wesentlich zur Propriozeption bei. Je besser der Huf durchblutet ist, desto besser kann er auch den Untergrund ertasten, auf dem das Pferd läuft.

Auswirkungen von Hufeisen

Was passiert nun mit dem Huf, wenn er mit einem eisernen Beschlag versehen wird? Die Antwort ist sehr einfach: dadurch, dass das Hufeisen mit fixen Nägeln am Huf angebracht ist und Metall so gut wie nicht verformbar ist, verliert der Huf seine Fähigkeit sich zu weiten und zusammenzuziehen.

Verminderte Durchblutung

Die Auswirkungen dadurch sind gravierend: Der Hufmechanismus wird dadurch mehr oder weniger komplett verhindert. Die Durchblutung ist damit massiv beeinträchtigt, was einige Folgen nach sich zieht:

  • Die gesamte Gliedmaße wird deutlich kälter; besonders eindrücklich sieht man dies mit Hilfe einer Wärmebildkamera. Hier gibt es ein beeindruckendes Thermografie-Bild eines Pferdes, welches zu Testzwecken nur auf einem Huf beschlagen wurde.
  • Durch die enorm verminderte Pumpfunktion des Hufs muss das Herz des Pferdes umso intensiver als Blutpumpe dienen. Das Herz wird daher deutlich mehr beansprucht.
  • Die reduzierte Durchblutung hat natürlich auch negative Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel und die Entgiftung des Pferdeorganismus.
  • Ohne gute Durchblutung ist auch die Nervenleitung stark eingeschränkt, d.h. das Pferd kann mit seinen Hufen deutlich weniger spüren.
    • Du kannst dir dies genauso vorstellen, wie wenn du sehr kalte Füße hast: du fühlst deine Zehen nur sehr wenig und kannst den Untergrund unter deinen Füßen nur schlecht wahrnehmen; man geht ein bisschen wie auf Stelzen.
    • Durch die verminderte Wahrnehmung der eigenen Füße sowie des Bodens tendieren beschlagene Pferde auch häufig zum Stolpern (und werden dann gerne als besonders “patschert” dargestellt) oder zu einem steifen Gang.

Fehlende Stimulierung

Neben den enormen negativen Auswirkungen auf die Durchblutung kommen noch weitere Nachteile hinzu. Einer davon ist, dass Hufe leider häufig so beschlagen sind, dass der Strahl keinen Bodenkontakt mehr hat. Dies hat gleich zwei unerwünschte Folgen: einerseits wird der Strahl damit kaum noch stimuliert und verkümmert (bildet sich also zurück). Der Huf wird an den Trachten immer enger, die mittlere Strahfurche häufig sehr eng und tief. Dies kann wiederum zu Berührungsempfindlichkeit und (im schlimmsten Fall) zu Hufkrebs führen.

Reduzierte Stoßdämpfung

Die andere Auswirkung von Hufbeschlag ohne Kontakt des Strahls zum Boden ist, dass die Stoßdämpfer-Funktion des Strahls außer Kraft gesetzt ist. Der Strahl kann daher nicht mehr als Polster funktionieren, sondern die gesamte Wucht des Pferdebeins muss von der Hufkapsel abgefedert werden. In der Hufkapsel ist das Hufbein elastisch “aufgehängt”; fehlt die Unterstützung durch den Strahl, wird eben diese Aufhängung massiv be- bzw. überlastet.

Auswirkung von Hufnägeln

Ein weiterer Nachteil von Hufeisen ist die Anbringungen an der Hufkapsel. Durch das Beschlagen mit Nägeln wird die Hufwand deutlich geschwächt und kann ihrer Tragefunktion oftmals nicht mehr richtig nachkommen. Das Gewebe rund um die Nägel fängt an abzusterben und bröckelt schließlich ab. Das geht oft so weit, dass ein weiterer Beschlag kaum noch möglich ist, weil nicht mehr genügend tragende Wand am Huf vorhanden ist, in der die Nägel angebracht werden könnten.

Deutlich sichtbar: nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe rund um die Nagellöcher.

Als zusätzlicher Faktor kommt das Gewicht eines Eisenbeschlags hinzu. Das Metall hat (je nach Größe und Dicke des Eisens) ein hohes Eigengewicht, das wie ein Schleudergewicht am Ende des Hufs wirkt. Bei jedem Schritt, wenn das Pferd das Bein nach vorne bringt, wird der Schwung durch das Eisen verstärkt und die Zentrifugalkraft zieht am Eisenbeschlag. Da dieser aber ja mit eisernen Nägeln an der Hornkapsel angebracht ist, zieht die Schleuderkraft eigentlich an der gesamten Hornwand; lose Nägel sind die klassische Folge. Durch diese Krafteinwirkung verändert sich zusätzlich das Gangbild des Pferdes.

Hufschutz

Aus dem vorigen Abschnitt ist hoffentlich sehr klar ersichtlich, warum ein Eisenbeschlag für Pferde eigentlich völlig ungeeignet ist. Allen Pferden nun einfach die Eisen abzunehmen ist jedoch leider auch keine Lösung.

Wann braucht ein Pferdehuf Schutz?

Die Frage ist sehr einfach zu beantworten: immer dann, wenn das Pferd barhuf Schmerzen hat. Kein Pferd sollte Schmerzen erdulden müssen, nur weil der Barhuf die natürlichste Variante ist.

Dabei muss jedoch unterschieden werden, warum das Pferd Schmerzen hat. Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein und genau danach muss der alternative Hufschutz ausgewählt werden.

Es gibt Pferde, die nur beim Reiten auf steinigen Forstwegen schmerzhaft laufen; für solche Pferde ist es daher sinnvoll, auch nur zum Ausreiten auf solchen Wegen einen Schutz anzubringen.

Es gibt jedoch auch Kandidaten, die barhuf auch in ihrer alltäglichen Umgebung im Stall Schmerzen haben. Dies kann beispielsweise aufgrund von Arthrosen oder von ungewohntem Boden sein (z.B. bei Stallwechsel oder bei der Umstellung von Beschlag auf barhuf). Hier muss daher dem Pferd daher mit einem permanent getragenen Hufschutz geholfen werden.

Alternativer Schutzvarianten

Heutzutage sind wir in der Pferdewelt in der glücklichen Lage, eine große Auswahl an alternativem Hufschutz zu haben. Das war vor einem Jahrzehnt noch ganz anders!

Mittlerweile ist die Auswahl beinahe unüberschaubar geworden und quasi jährlich kommen neue Innovationen dazu. Ich möchte daher im Folgenden keine konkreten Anbieter herauspicken, sondern dir vielmehr einen Überblick über unterschiedliche Systeme geben.

Hufschuhe

Hufschuhe können dem Pferd an- und ausgezogen werden wie auch unsere eigenen Schuhe. Das heißt, man kann sie dem Pferd immer dann anziehen, wenn es auf einem Untergrund gehen wird auf dem es barhuf Probleme hat (z.B. beim Ausritt).

Es gibt mittlerweile zig unterschiedliche Modelle, die von der Handhabung, Haltbarkeit und dem Anwendungsgebiet stark variieren. Zudem ist die Passform ganz unterschiedlich, so dass nicht jedes Modell auf jeden Huf passt (oder zuverlässig dort hält). Da hilft oftmals nur: ausprobieren. Ein geschulter Huforthopäde kann zudem meist eine Empfehlung abgeben, welcher Schuh am geeignetsten wäre. Darüber hinaus haben viele Huforthopäden auch Test-Modelle zu verleihen.

Hufschuhe können daher eine tolle Lösung für Pferde sein, die in ihrer alltäglichen Umgebung (z.B. im Offenstall) problemlos barhuf gehen können, die aber in bestimmten Situationen zusätzlichen Schutz benötigen. Allerdings können Hufschuhe manchmal hinsichtlich Passform problematisch sein. Dadurch, dass die Hufschuhe zwar in unterschiedlichen Größen existieren aber immer eine fixe Form haben, muss die grundsätzliche Hufform zum Hufschuh passen. Bei besonders “unüblichen” Hufformen oder -größen wird es hingegen oftmals schwierig ein passendes Modell zu finden. Zudem gibt es immer wieder empfindliche Pferde, welche z.B. an den Ballen wunde Stellen von nicht perfekt sitzenden Hufschuhen bekommen.

Klebebeschlag (Bekleb)

Es gibt jedoch auch Pferde, die rund um die Uhr einen Schutz auf ihren Hufen benötigen. Dies kann entweder für eine gewisse Dauer nötig sein (z.B. zur Umstellung von Beschlag auf Barhuf) oder auch ständig (z.B. bei Arthrosen in bestimmten Gelenken). Solche Kandidaten müssen deshalb trotzdem nicht mit Hufeisen beschlagen werden, sondern können einen sogenannten “Klebebeschlag” (auch “Bekleb” genannt) bekommen. Dieser besteht aus einer Unterseite (Platte) aus Kunststoff, welche entweder direkt auf die Sohle oder mittels Laschen an der Hufwand angeklebt wird.

Auch hierbei gibt es mittlerweile zig unterschiedliche Hersteller auf dem Markt, so dass das Angebot erfreulicherweise mittlerweile enorm groß ist. Die verschiedenen Modelle unterscheiden sich dabei sowohl vom Material als auch den Anbringungsvarianten. Und auch hier gilt: nicht jede Ausführung passt zu jedem Huf oder zu den eigenen Anforderungen! Ein ambitionierter Reiter mit einem leichten Vollblut im Aktivstall wird ein anderes Modell benötigen als ein gemütliches Kaltblut auf einer Wiese. Hier hilft meistens leider nur ausprobieren, was zum jeweiligen Pferd und seinen Umweltbedingungen.

Leider ist dies oft der entscheidende Punkt, an dem viele Pferdebesitzer aufgeben: wenn die erste probierte Variante nicht klappt, wird Klebebeschlag per se als nicht funktionierender Humbug abgestempelt. Oftmals fehlt vielen Besitzern auch kompetente Unterstützung, denn gute Hufbearbeiter sind in vielen Gegenden leider rar. Falls du in solch einer Situation bist, kann ich dir nur raten: beschäftige dich selbst mit dem Thema, such dir Gleichgesinnte und gib nicht auf! Dein Pferd wird es dir danken 🙂

Sonstige Alternativen

Hufschuhe und Beklebungen sind quasi die “Standard-Schutzmöglichkeiten” für Pferdehufe (von klassischem Beschlag mit Hufeisen abgesehen). Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine ganze Menge an weiteren Varianten für Hufschutz.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: gerade wenn man ein Pferd mit schwierigen Hufen hat (in unserem Fall: Lanzelot mit sehr großen Hufen, viel Gewicht und Arthrose in den Hufgelenken), kann man leicht verzweifeln. Aber es gibt dankenswerterweise jede Menge erfinderische Hufleute, die Alternativen geschaffen haben; dazu gehören beispielsweise alle möglichen Varianten von individuell angebrachten Schutzschichten aus Polyurethan oder Methylacrylat.

Diese werden direkt auf den Huf aufgebracht und bilden dort quasi eine zusätzliche Schicht, ähnlich dem Hufhorn ansich. Es lohnt sich hier in jedem Fall, selbst zu recherchieren und sich mit versierten Hufbearbeitern auszutauschen. Es ist schier unglaublich was alles möglich ist!

Kunststoffbeschlag

Falls all diese Varianten nicht möglich sind (z.B. weil du niemanden hast, der dir hierbei behilflich sein kann) und du daher trotzdem auf einen Beschlag zurück greifen musst, so gibt es immer noch die Möglichkeit einen Plastikbeschlag zu wählen.

Der Beschlag besteht bei dieser Variante aus einer mehr oder weniger festen Platte aus Kunststoff und wird mit Nägeln am Huf angebracht. Da das Material aber deutlich flexibler ist als ein Hufeisen, ermöglicht es trotzdem einen funktionierenden Hufmechanismus. Auch das Gewicht eines solchen Kunststoffbeschlags ist deutlich geringer als bei einem eisernen Beschlag und wirkt sich somit positiv auf die Hufgesundheit aus. Ein Plastikbeschlag ist daher das mindeste, was du als Alternative zu Hufeisen wählen solltest (falls eine ausschließliche oder teilweise barhuf-Variante nicht möglich ist).

Sind Hufeisen überhaupt irgendwann nötig?

Aus meiner Sicht gibt es nur eine einzige Situation, in der ein Hufeisen sinnvoll ist: nämlich dann, wenn der Hufmechanismus aus medizinischen Gründen bewusst außer Kraft gesetzt werden soll.

Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn ein Hufbeinastbruch vorliegt. Bei solch einer Verletzung sollte der Huf möglichst wenig in sich arbeiten, damit der angeknackste oder gebrochene Knochen im Huf wieder zusammenwachsen kann und nicht durch Bewegung verschoben wird. Aus diesem Grund sollte der Hufmechanismus gezielt ruhig gestellt werden; hier eignet sich daher ein eiserner Beschlag gut, um die Beweglichkeit der inneren Strukturen im Huf zu unterbinden.

Fazit

Ein Hufeisen ist für den Organismus Pferd nicht nur unnatürlich, sondern aus zahlreichen Gründen hochgradig schädlich. Diese Tatsache lässt sich nicht leugnen und wird von wissenschaftlichen Beweisen belegt.

Das heißt aber nicht automatisch, dass ein Pferd immer barhuf gehen sollte, im Gegenteil: wenn das Pferd barhuf Schmerzen zeigt, so müssen die Hufe geschützt werden.

Natürlich muss zuerst die Ursache für die Schmerzen gefunden werden, denn diese können auch ganz einfach in unsachgemäßer Hufbearbeitung liegen. Falls der Huf jedoch trotz fachkundiger Bearbeitung zusätzlichen Schutz benötigt – temporär oder permanent –, so stehen uns Pferdebesitzern heute eine Unzahl an Möglichkeiten dafür offen: Hufschuhe und Klebebeschläge sind hierbei die häufigsten Varianten, aber bei weitem nicht die einzigen. Auch wenn es manchmal ein paar Anläufe benötigt, um die individuell passende Lösung zu finden, so kann mittlerweile mit ruhigem Gewissen behauptet werden: es gibt für jeden Huf die passende Lösung.

Es liegt an dir, eine gute Lösung für dein Pferd zu finden! Wir halten Pferde zu unserem Vergnügen in Gefangenschaft und verlangen ihnen oftmals hohe Leistungen ab; da ist es doch das mindeste, dafür zu sorgen dass sie schmerzfrei mit gesunden Füßen laufen können; findest du nicht?

9 comments

  1. Alina Habenstein says:

    Hey der Artikel ist wirklich super und auch wirklich sehr informativ!!
    Ich bin auf der Suche nach einem neuen Hufbeschlag. Mein pferd hatte vor 3 Jahren einen doppelseitigen Sehnenabriss und läuft seid her auf „erhöhten“ Hufeisen (sprich mit einer Kunststoffplatte drunter) da ich Angst habe dass sie wieder anfängt zu lahmen sobald ich die Eisen ab mache bin ich unsicher….
    Welcher Beschlag würde sich deiner Meinung nach da am besten zu eignen?

    Die Eisen wurden mir damals von meiner Klinik geraten, erst meine Ostheopathin hat mich drauf gebracht dass Eisen vorallem für Sehnen schädlich sind.

    Es wäre super wenn du mir darauf antworten könntest und mir vielleicht mit deiner Antwort weiterhelfen kannst!!!

    • Nathalie Kurz says:

      Hallo Alina! Viele Dank für dein Feedback 🙂 ich verstehe deine Angst absolut, denn niemand möchte das eigene Pferd leiden sehen. Ich kann dir aber leider via Internet keine konkrete Empfehlung geben – gerade solche Fälle mit Vorgeschichte muss man immer vor Ort ansehen und beurteilen, alles andere wäre wirklich unseriös. Aber ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass man mit geklebtem Kunststoff quasi alle Optionen hat, die man auch mit Eisen hätte. Zuerst müsste man sich ansehen, welche Strukturen genau betroffen waren, wie es denen mittlerweile geht (3 Jahre sind ja eine lange Zeit) und ob die nach wie vor entlastet werden müssen (oder ob dann eher andere Strukturen überlastet werden!). Erst wenn klar ist, was mit dem Hufschutz erreicht werden soll, kann man den passenden Schutz aussuchen. Und da bin ich überzeugt, dass sich eine Lösung aus Kunststoff finden lässt.
      Du brauchst daher unbedingt einen versierten Profi vor Ort, der sich das ansehen und beurteilen kann. Du kannst beispielsweise auf den Partnerseiten von Goodsmith oder rbCarbon schauen, ob jemand in deiner Nähe ist:
      https://good-smith.com/pages/hufbearbeiter-finden
      https://www.rbcarbon.de/community/huffachleute/

  2. Klaudia Marquardt says:

    Hallo, ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen, weil ich nach einer Alternative zu dem herkömmlichen Hufbeschlag suche. Meine Stute ist beschlagen, weil sie Spat hat und mir dazu geraten wurde. Nun hat sie aktuell am linken Hinterhof ein tiefes Hufgeschwur und die Eisen sind runter. Gerne würde ich ihr ermöglichen ohne zu laufen, aber auf Grund von starker Fühligkeit benötigt sie beim Reiten einen Hufschutz. Ich bin unsicher, was das Weglassen da Beschlagen angeht.

    Liebe Grüße Klaudia

    • Nathalie Kurz says:

      Hallo Klaudia! Kein Pferd sollte dauerhaft Schmerzen erdulden müssen, d.h. wenn deine Stute barhuf fühlig läuft, würde ich auf jeden Fall zu einem Schutz raten. Aber das muss eben kein herkömmliches Hufeisen sein 🙂 denn gerade bei Arthrose (wie eben Spat) ist es wichtig, dass der Hufschutz auch eine dämpfende Funktion hat und bei einem Eisen ist genau das Gegenteil der Fall. Mittlerweile gibt es eine sehr große Auswahl an geklebtem Hufschutz („Klebebeschlag“ oder „Bekleb“), der einfach anzubringen ist und auch wirklich gut hält. Mehr dazu kannst du beispielsweise hier auf meinem Blog weiter lesen: https://www.mein-leben-ist-ein-ponyhof.at/pferdegesundheit/hufe/5-un-wahrheiten-ueber-klebebeschlag-am-pferdehuf/
      Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen, sonst kannst du mir gerne auch noch eine E-Mail schicken!
      Alles Liebe und viel Erfolg, Nathalie

  3. Sebastian Fidomski says:

    Hallo, ich wohne in einem Ort wo ein Pferdehof ist und diese Pferde sind mit Hufeisen beschlagen.
    Mir ist aufgefallen dass diese Pferde oft durch dieses Eisen ,auf Steinen und anderen Untergründen ins rutschen kommen, wohl auch vermehrt bei Nässe. Es ist wohl denke ich durch Gummi profilierte Schuhe (ähnlich Autoreifen) nicht so. Ich selbst habe keine Ahnung von Pferden, aber ich beobachte.
    Ich stelle mir Menschen mit solchen Eisen an den Schuhen vor = schlechtes gehen und schädlich.
    Sind sie auch unterwegs und reden mit den Besitzern von Pferdehöfen ?
    Ihr Beitrag hat mich in meinem denken bestätigt, danke.

    Mit freundlichem Gruß Fidomski.

    • Nathalie Kurz says:

      Hallo! Genau, die Beobachtung ist richtig, dass Metallbeschläge im Allgemeinen rutschiger sind als Kunststoffbeschläge. Im Winter kann man in den Kunststoff zusätzlich Spikes eindrehen, damit die Pferde auch auf eisigen Flächen besseren Grip haben (bei den Eisenbeschlägen kann man ebenfalls Stollen anbringen, die allerdings größer und daher invasiver für das Laufverhalten sind).
      Und ja, ich arbeite auch aktiv als Hufbearbeiterin und bin dementsprechend auf Höfen unterwegs. Allerdings missioniere ich nicht, die Leute müssen offen sein für Alternativen, sonst ist ein (aufklärendes) Gespräch oft sinnlos.
      Liebe Grüße, Nathalie

  4. Sylvie M. says:

    Sehr schöner Beitrag! Ich habe selbst angefangen, mich mit dem Thema Hufe und Barhufbearbeitung auseinander zu setzen, nachdem mein damaliges Pflegepferd aufgrund falscher Diagnose eingeschläfert wurde. Niemand hatte ein Augenmerk auf die Hufe, heute weiß ich, es war chronische Rehe.
    Als ich ein paar Jahre später mein jetziges Pferd kaufte, hatte ich mich bereits im Vorfeld tief in die Materie eingelesen und div. Hufkurse besucht, um meinem Pferd einen solchen „Werdegang“ zu ersparen. Mittlerweile bearbeite ich seine Hufe selbst und ich finde es toll, so nah mit dem Pferd zusammen zu arbeiten. 1 x im Jahr lasse ich dennoch sicherheitshalber Röntgen, um das Innenleben zu prüfen.

    Schlimm finde ich, dass der ganze Stall voller Pferde ist, wo die Besitzer sich leider null Gedanken um die Hufe ihrer Pferde machen. Unterschobene Trachten, gequetschte Ballen, dicke Ringe, verzogene Wände, hochgeschobene Kronränder, überlange Hufe, Einblutungen, ….alles an der Tagesordnung! Ich wünsche es zwar keinem Pferd, aber es wäre für die Verfechter der Barhuf-Front enorm hilfreich, wenn ein schlecht beschlagenes oder schlecht barhufbearbeitetes Pferd, viel früher Probleme zeigen würde. Dann würden die Menschen einmal aufwachen und merken, was sie ihren Pferden teilweise antun, wenn sie die Hufe derart aus der Form geraten lassen. Die allermeisten Pferde laufen noch mit den krüppeligsten „Dosenhufen“ perfekt auf dem Platz…fleissig und willig. Und das bestätigt immer wieder die Besitzer, dass Beschlag ja wohl nicht schlecht sein kann.
    Man kann den Pferden so dankbar sein, dass sie so willige Partner sind, die immer versuchen, ihrem Besitzer zu gefallen. Egal, unter welchen Bedingungen.

    Viele Grüße
    Sylvie

  5. Lisa Timm says:

    Hallo!
    Ein großes Lob für deinen echt schönen und interessanten Blog!
    Zu dem Thema Hufschutz verdeutlicht unser Schmied immer, dass barhuf natürlich das Beste ist, nur manchmal muss man individuell unterstützen. Unsere drei Offenstaller gehen eigentlich immer ohne Eisen, jedoch benötigt die Ü20 Friesen-Kaltblut-Mix Stute dieses Jahr nach einer starken Lahmheit mit Diagnose extreme Hufknorpelverknöcherung und Athrose Fessel abwärts einen speziellen geschmiedeten und geschweißten Spezialbeschlag (seitdem kann sie wieder laufen und galoppiert über die Wiese wie eine junge Göttin). Ihr Fall ist aber eher eine Ausnahme.
    Was gibt es aus deiner Sicht aber z.B. für all die Turnierreiter für eine Alternative, um Stollen im Parcours und im Busch ohne konventionellen Beschlag anzuwenden?

    Liebe Grüße Lisa

    • Nathalie says:

      Hallo Lisa!

      Erstmal herzlichen Dank für dein Lob, das freut mich sehr 🙂
      Ich kann dir da mit deiner Friesen-Kaltblut-Stute sehr gut nachempfinden, denn unser Noriker hat auch Arthrose in den Hufgelenken und massiv verknöcherte Hufknorpel. Er hat ebenfalls immer wieder stark gelahmt und musst immer wieder Schmerzmittel bekommen. Er hat dann zunächst Duplos genagelt bekommen, da die aus Kunststoff sind (mit Eisenkern) und daher besser dämpfen als ein ausschließliches Metall-Hufeisen. Mittlerweile läuft er aber mit einem Bekleb, und zwar besser denn je ✌ es gibt also auch für schwierige Spezial-Fälle gute Alternativen.

      Zu deiner Frage: es gibt zahlreiche Sportpferde, die komplett Barhuf gehen und auch Erfolge einfahren. Falls doch Unterstützung nötig ist, gibt es auch Klebeschalen mit Stollen und die sind auch bei Turnieren zulässig. Eine weitere Möglichkeit sind Hufschuhe; die sind zwar nur bei manchen Disziplinen zugelassen, aber z.B. im Distanzsport werden die sehr häufig eingesetzt. Und zu guter letzt gibt es auch noch die Möglichkeit, die Pferde nur für die Turniersaison zu beschlagen und das restliche Jahr über barhuf laufen zu lassen. So hat der Huf immer wieder Zeit sich zu regenerieren und verkraftet dann auch 2-3 Monate Beschlag ganz gut.
      In Österreich und Deutschland gibt es zahlreiche Beispiele von erfolgreichen Barhuf-Pferden im Sport, in allen möglichen Disziplinen. Und das Barfoot Horse Magazin (https://barefoothorsemag.com) zeigt immer wieder sehr eindrucksvolle Beispiele aus der ganzen Welt ☺

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