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Wie ich meinen Pferden Crunches beigebracht habe

Eine der häufigsten Fragen, die ich zu meinem Pferdetraining erhalte, ist: „Wie hast du ihnen die Crunches beigebracht?“. Daher möchte ich heute eine Antwort dazu geben, denn die Crunches sind soooo ein wertvolles Mittel im Pferdetraining. 💪 Warum? Dazu müssen wir uns zuerst näher ansehen, was Crunches eigentlich sind.

Was sind Crunches im Pferdetraining?

Wer sich mit Intrinzen beschäftigt, stolpert sehr schnell über den Begriff „Crunches“. Kein Wunder, hat doch erst Intrinzen diesen Begriff in der Pferdewelt geprägt. Die beiden Masterminds hinter Intrinzen verwenden dafür auch andere Termini: Kathy Sierra spricht mittlerweile gerne von „self-half-halt“ (frei übersetzt: „selbst ausgeführte halbe Paraden“) und Steinar Sigurbjörnsson bezeichnet die Crunches viel lieber als „power postures“ („Körperhaltung der Stärke“). Aber „Crunches“ ist eindeutig griffiger im alltäglichen Sprachgebrauch 😉 obwohl die Ausdrücke von Kathy und Steinar eigentlich viel mehr über den Sinn dahinter verraten.

Denn Crunches sind die ideale Übung, um deinem Pferd eine versammelte, stolze Körperhaltung beizubringen, die es selbst jederzeit abrufen und erzeugen kann. Das Ziel ist, dass das Pferd eine agile, zentrierte Position findet, mit der es auch den Reiter möglichst schadfrei tragen kann. Physiologisch gesehen ist es dafür wichtig, dass das Pferd den Widerrist hebt. Außerdem senkt es sich dabei in der Hinterhand, versammelt sich also in den Hanken. Das ist aber eigentlich eher Nebeneffekt und nicht das hauptsächliche Ziel! Der Hankenbeugung wird in diesem Zusammenhang nämlich oft viel zu viel Bedeutung beigemessen. Viel wichtiger ist das Heben des Brustkorbs, damit das Pferd aktiv dem Reitergewicht entgegen wirken kann.

Kleiner Anatomie-Exkurs: der Brustkorb des Pferdes ist nämlich rein über Muskeln zwischen den Schulterblättern aufgehängt („Thoraxschlinge“). Wenn nun das Reitergewicht von oben auf den Brustkorb wirkt, muss das Pferd aktiv diese Muskeln verwenden, um dagegen zu wirken. Tut es das nicht, sinkt der Brustkorb zwischen den Schulterblättern durch und die Wirbelsäule wird übermäßig nach unten durchgedrückt. Die Folgen können gravierend sein: im einfachsten Fall „nur“ Trageerschöpfung, im schlimmsten Fall Kissing Spines.

Abgesehen vom physiologischen Aspekt gibt es aber auch noch einen psychologischen: die Crunches sind eine imposante Pose. Und zwar nicht nur für den Betrachter, sondern auch für das Pferd selbst. Es ist eine stolze Körperhaltung – das Pferd präsentiert sich stolz und agil. Und genau das überträgt sich auch auf seine Psyche: das Pferd zeigt sich nicht nur stolz, sondern es ist stolz. Und genau hier setzt dann eine sich positiv befruchtende Spirale ein: das Pferd fühlt sich großartig und nimmt diese mentale Haltung auch in die Bewegung mit. Das heißt, die Bewegungsmuster werden ausdrucksstärker, das Pferd fühlt sich aufgebaut und möchte sich gerne präsentieren. Dadurch versammelt es sich automatisch selbst noch mehr und zeigt genau jene erhabenen Bewegungen, von denen die meisten Reiter träumen. Und das alles ganz freiwillig, von sich aus – intrinsisch motiviert eben. 💖

Wie sieht der perfekte Crunch aus?

Diese Frage ist wichtig, und die Antwort wird dir vielleicht nicht gefallen 😁 denn: der perfekte Crunch existiert nicht.

Falls du dir jetzt denkst: „Häääh?“, lass‘ es mich erklären. Das Ziel der Crunches ist, dem Pferd das Heben des Brustkorbs beizubringen. Und zwar so, dass das Pferd diese Körperhaltung gerne und selbstständig einnimmt – in quasi allen Lebenslagen. Das heißt, auch wenn Crunches im Stehen entwickelt werden, sind sie nur dann sinnvoll, wenn das Pferd sie später auch in die Bewegung mitnehmen kann.

Darum ist es wichtig, die Crunches von vornherein variabel zu gestalten. Das heißt: das Anheben des Brustkorbs nicht nur in einer bestimmten (fixen) Position zu erlernen, sondern in möglichst vielen Körperhaltungen. Wir Menschen haben oft die eine einzige perfekte Ausführung einer Übung im Kopf und versuchen, auf diese hinzuarbeiten. Aber für den Körper ist es viel wichtiger, eine gesunde Haltung in möglichst vielen unterschiedlichen Varianten ausführen zu können. Das bedeutet für die Crunches, dass dein Pferd den Brustkorb in möglichst vielen unterschiedlichen Posen und Bewegungen anheben (und halten) können sollte. Das sollte dein Ziel bei den Crunches sein. 😎

Hier ein paar Beispiele, wie du Crunches vielseitig gestalten kannst:

  • mit erhöhten Vorder- oder Hinterbeinen bzw. bergauf/bergab
  • auf schräger Fläche
  • mit Biegung nach links/rechts bzw. gerade
  • aus der Bewegung/in die Bewegung
  • mit/ohne Hankenbeugung
  • mit unterschiedliche langem/kurzem Hals bzw. in unterschiedlicher Kopfhöhe

Und jetzt ist deine Kreativität gefragt – welche Varianten fallen dir noch ein?

Unser(e) Weg(e) zu Crunches

Du merkst also: Crunches können sehr viel Positives im Pferdetraining bewirken. Kein Wunder also, dass sie so eine Faszination ausüben! Im Folgenden möchte ich dir nun beschreiben, wie unsere (Irr-)Wege zu den Crunches ausgesehen haben. Denn es gibt nicht „den einen richtigen“ Weg dort hin, keine bestimmte „Hilfe“, die man dem Pferd beibringen muss. Aber es gibt sehr viele Dinge, die man ausprobieren kann! Und genau dazu möchte ich dich ermuntern, wenn du deinem Pferd ebenfalls Crunches beibringen möchtest. Du wirst sehen: auch mit meinen drei Pferden sind die Wege ganz verschieden verlaufen, auch wenn sie alle gleich begonnen haben – nämlich mit dem Hintern an der Wand.

Die grundlegende Idee dazu ist, dass das Pferd mit dem Hinterteil an einer Barriere steht und man ihm die Idee des „Rückwärts“ vermittelt, ohne dass es tatsächlich rückwärts geht (rechtzeitig belohnen!). Dadurch verschiebt es nämlich seinen Schwerpunkt nach hinten und nimmt mehr Last auf die Hinterhand auf, wodurch das Heben des Widerrists leichter fällt. Außerdem kippen die allermeisten Pferde dadurch mit dem Becken ab und wölben so automatisch den Rücken ein bisschen auf. Das Abkippen des Beckens hat aber auch einen Nachteil, weil damit häufig nur der Lendenbereich aufgewölbt wird und nicht die gesamte Wirbelsäule. Ergebnis ist dann oftmals ein „Katzenbuckel“ – wie du gleich sehen wirst.

Ísungur: der Crunch-Meister

Bevor ich zu Intrinzen kam, hatte ich mit Ísungur viel akademische Reitkunst gemacht. Dazu gehörte auch das Experimentieren mit dem „Schulhalt“. Obwohl wir hier noch nicht sehr weit fortgeschritten waren, hatte Ísungur also bereits Erfahrung mit der Hankenbeugung (oder zumindest mit der Idee davon). Außerdem ist der kleine Fürst ein Energiesparmeister, was bedeutet: alle Übungen im Stehen sind automatisch seine Lieblingsübungen. Insofern war er ziemlich bald von den Crunches sehr angetan und engagierte sich dabei enorm.

Wie bereits beschrieben, war unser Anfang der Crunches das „Rückwärtsschieben gegen die Wand“. Das schlaue Pony hatte sehr bald gecheckt um was es geht und so konnte er den gleichen Bewegungsablauf auch sehr bald ohne Wand produzieren. 🤓

Der Haken daran: ich war so begeistert von den ersten Fortschritten, dass ich nicht so richtig darauf geachtet hatte, was er eigentlich mit seiner Vorhand macht. Und was er machte, war einfach: sie stehen lassen. Ísungur schob also sein Gewicht nach hinten und wölbte den hinteren Rücken auf, ließ aber die Vorhand stehen, wodurch die Vorderbeine weit nach vorne gestreckt waren. Und der Brustkorb? Durchgesunken. Also genau das Gegenteil dessen, was die Crunches eigentlich bewirken sollten. 🤨

Die Lösung für den Katzenbuckel bei den Crunches

Je mehr Ísungur begeistert war von seiner neuen Übung, desto mehr legte er sich ins Zeug. Und desto schlimmer wurde es. Unsere Rettung waren schließlich zwei verschiedene Ansätze: Biegung und Bewegung. Also einerseits seitliche Biegung vor/während/nach den Crunches, wodurch er seine Vorderbeine neu sortierte. Und andererseits Antreten aus den Crunches, oder viel mehr „Anspringen“. Hier merkte Herr Pony nämlich schnell, dass das ziemlich schwierig ist, wenn seine Beine zuvor nicht unter seinem Schwerpunkt sind.

Insbesondere die Bewegung war für Ísungur eine echte Herausforderung, weil er doch eigentlich so furchtbar gerne steht. Aber er entdeckte damit von ganz alleine, dass er die Versammlung für beeindruckende Bewegungen einsetzen konnte, die sich irgendwo zwischen Levade und Terre à Terre bewegen. Und die sind wirklich beeindruckend! Je mehr ich ihn dafür bewunderte, desto öfter zeigte er sie. Er war sichtlich begeistert über sein neues Körpergefühl. Bis heute nutzt er jede Gelegenheit, auch fremden Leuten damit zu zeigen, wie unglaublich toll er ist. 😎

Heute ist Ísungur ein wahrer Crunch-Meister. Er schafft sie in jeder Lebenslage: egal ob bergauf, bergab, am schrägen Hang, mit 2, 3 oder 4 Beinen auf einer Wippe, auf der Matte, im Gatsch, am Pferdehänger, mit Reiter, über Stangen usw. Keine Situation ist ihm zu schwierig, im Gegenteil: er liebt die Herausforderung und brummelt selbstbewusst, wenn er seine Crunches vor Publikum zur Schau stellen kann (wie z. B. am Kurs mit Steinar 2019).

Abgesehen davon, dass er die Crunches wirklich meisterlich beherrscht (und trotzdem noch immer stetig besser wird), waren die Crunches für ihn ein wahrer „Game Changer“. Erst damit hat er begonnen, seine stolze Haltung in Bewegung zu präsentieren. Davor war für ihn Versammlung in Bewegung ein Ding der Unmöglichkeit und hat stets in negativer Anspannung geendet. Aber seitdem er die Versammlung nicht mehr von mir aufgezwungen bekommt sondern frei einnehmen kann wenn ihm danach ist, ist es für ihn fast selbstverständlich geworden. Erst die Crunches haben ihn zu dem selbstbewussten und kraftvoll bewegenden Pferd gemacht, als das er sich heute zeigt. Ich kann einfach nicht anders, als ihn zu bewundern! 😍

Nelly: Crunches mit Leichtigkeit

Mein zweites „Versuchsobjekt“ hinsichtlich Crunches war meine kleine Prinzessin, damals gerade drei Jahre alt. Sie hatte noch keinerlei Vorerfahrung mit irgendwas und ging auf alles offen und neugierig zu. Auch mit ihr begann ich mit Crunches an einer Wand, allerdings konnten wir sehr rasch davon weg kommen, weil sie das Prinzip der Gewichtsverlagerung super schnell verstanden hatte. So schnell, dass ich für ihre neuen Ideen nicht gerüstet war: sie begann, Kopf und Hals als Wuchtgewichte nach hinten zu schmeißen, um besser auf die Hinterhand zu kommen. Und zwar so flott, dass sie sich dabei selbst überraschte und die Vorderbeine mit hoch riss. Sie zeigte also mit ihren 3 Jahren, dass sie ganz toll steigen konnte. 😱 Zugegeben, damals war ich kurzfristig überfordert mit der jungen Dame.

Der Weg zu Zen statt Action

Es war allerdings klar ersichtlich, dass das Steigen nicht aus Frust oder Aggression herrührte, sondern weil sie sich zu sehr ins Zeug legte. Nelly war schlicht überzeugt, dass das die richtige Idee war. Mein erster Ansatz zur Behebung dieses Problems war, dass ich früher clickte. Also so früh zu belohnen, dass die Füße noch am Boden blieben. Das hatte auch sehr gut funktioniert, aber es blieb das Problem von Kopf und Hals, die sie nach wie vor nach hinten schmiss.

Mein Eindruck damals war, dass Nelly nicht im Traum daran dachte, ihre muskuläre Unterlinie zu verwenden. Die braucht sie aber, um den Rumpf anheben zu können. Also begann ich, über Berührung ihre Wahrnehmung zu verändern. Ich strich ihren Unterhals und Bauch ab und legte keinen Fokus mehr auf die Hinterhand. Und siehe da, es wirkte! Die sanften Berührungen hatten Madame zunächst aus dem Konzept gebracht. Dadurch konnten wir aber endlich das alte Muster des „Nach-hinten-Schmeißens“ auflösen. Und schließlich hat sie begonnen, mit dem neuen Körper-Input zu experimentieren. Ich belohnte daher sehr schnell jeglichen Versuch, bei dem sie die Brust- oder Bauchmuskulatur anstatt des Rückens verwendete. Damit waren die Crunches zwar anfangs sehr unscheinbar, dafür deutlich näher am eigentlichen Ziel. Auf diese Art veränderte sich auch das gesamte Wesen von Nellys Crunches: aus übereifriger Action wurde fokussierter meditativer Zustand. 🧘‍♀️

Crunches als Power Postures

Mittlerweile cruncht Nelly mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte. Faszinierenderweise setzt sie die Crunches besonders dann ein, wenn sie Stärke braucht. Etwa, als wir bei Spazierengehen einem Rasenmäh-Roboter begegnet sind. Nach wildem Grunzen und Tänzeln hat sie sich plötzlich mit einem beeindruckenden Crunch vor dem Ding aufgebaut und wir konnten schließlich im erhobenem Panther Walk vorbei gehen (der selbstfahrende Rasenmäher hatte auch angemessen beeindruckt den Rückzug angetreten).

Außerdem schenkte mir Nelly mein bisher schönstes Crunch-Ereignis: als ich das zweite oder dritte Mal in ihrem ganzen Leben auf ihrem Rücken saß (ohne Sattel, ohne Halfter) fiel ihr plötzlich ein, dass sie meinem Gewicht etwas entgegen setzen konnte: Crunch! Ich hätte beinahe geweint – anstatt wie die meisten Jungpferde einfach den Rücken durchhängen zu lassen, hatte sich meine Prinzessin an ihre Super-Kräfte erinnert und selbstständig, ohne Aufforderung, eingesetzt. Was könnte es schöneres geben? 💞

Lanzelot: Schwergewicht auf Crunch-Mission

Nach den ersten Crunch-Erfolgen mit meinen beiden „Kleinen“, wagte ich mich schließlich an Lanzelot. Mir war bewusst, dass Lanzelot neben einem suboptimalen Körperbau (er ist extrem lang gebaut) einige körperliche Baustellen hat, die uns das Experiment nicht leicht machen würden. Aber dass es so schwierig werden würde, darauf war ich ehrlicherweise nicht gefasst.

Denn anders als Ísungur und Nelly, ist Lanzelot kein „Denker“, sondern ein „Macher“. Am liebsten macht er alles gleichzeitig, und zwar möglichst intensiv. Ich war selbst oft in der Situation überfordert und hatte noch nicht gelernt, solche Situationen aufzulösen und objektiv zu analysieren.

Der entspannte mentale Zustand als wichtigste Basis

Es begann schon damit, dass ich es verabsäumt hatte, mit Lanzelot den Clicker ordentlich zu etablieren. Wir hatten stattdessen einfach irgendwie angefangen und das führte dazu, dass das Riesenbaby ziemlich schnell gestresst war. Damals konnte ich seine Stressanzeichen allerdings noch nicht so gut deuten, vor allem nicht innerhalb einer Session. Weil ich daher nicht angemessen darauf einging, wurde Lanzelot nur noch mehr gestresst und führte alles auf, was ihm so einfiel, um an die Leckerlis zu gelangen. An Crunches war nicht dabei nicht im Entferntesten zu denken.

Meine Rettung waren schließlich Videoaufnahmen von unseren Einheiten. Mit mehr Abstand beobachtet, waren die Stesssignale für mich plötzlich deutlich sichtbar. Als erste Maßnahmen habe ich die Dauer verkürzt (max. 5 Minuten am Stück) und eine alternative Futterquelle (Heusack) etabliert. Beides hat enorm geholfen, den Stresslevel für Lanzelot zu minimieren. Erst dadurch war es ihm möglich, gelassen an die neue Herausforderung heranzugehen und mit neuen Lösungen zu experimentieren.

Als Lanzelot schließlich aufnahmefähig für meine neuen Ideen war, zeigten sich schließlich die körperlichen Herausforderungen.

Wuchtbrumme in Schräglage

Wie auch schon mit Nelly und Ísungur, begann ich mit Lanzelot mit dem Hintern an der Wand. Dabei zeigte er ganz schnell, wofür er gezüchtet wurde: wenn sich etwas in den Weg stellt, sieht er es als seine Aufgabe an, möglichst stark dagegen zu drücken. So auch mit der Wand! Ich hatte also innerhalb kürzester Zeit einen 800kg-Noriker produziert, der mit Anlauf rückwärts gegen jede Wand lief. Ups 😳

Nachdem ich zuerst ein bisschen verzweifelte, begann ich schließlich Hindernisse in den Weg zu räumen. Vor allem Stangen halfen, damit Lanzelot nicht einfach unkontrolliert rückwärts lief. In dieser Zeit lehrte er mich gutes Timing fürs Clicken. 😉 Und schließlich konnte ich die Hindernisse immer weiter reduzieren.

Als Lanzelot schließlich verstanden hatte, dass es mir besser gefällt wenn er auf seinen 4 Füßen im freien Raum steht und er nur seinen Schwerpunkt nach hinten verlagert, wurde seine enorme Schiefe deutlich sichtbar. Natürlich wussten wir schon davor, dass er eine ausgeprägte Händigkeit hatte (die sich u.a. auch in seinen Hufen manifestiert), aber bei den Crunches wurde es unübersehbar. Je mehr er sich bemühte sein Gewicht zu verlagern, desto krummer wurde er. Ein Teil des Problems war, dass er – ähnlich wie Nelly – seinen Hals übermäßig als Wuchtgewicht verwendete und kaum seine Brust- und Bauchmuskulatur einsetzte.

Das Rückentarget

Die Lösung war schließlich, ein „Rückentarget“ einzusetzen. Konkret verwendete ich eine Schwimmnudel auf einem Bambusstab, die ich über seinen Rücken hielt. Sobald Lanzelot durch die Rückwärtsbewegung mit seinem Widerrist die Schwimmnudel berührte, clickte ich. Und damit hatte es plötzlich auch „Click“ bei Lanzelot gemacht! Innerhalb kürzester Zeit hatte er verstanden, dass das Ziel ist, dass er mit seinem Widerrist die Schwimmnudel berühren soll. Ich war total fasziniert; auf einem hatten wir keine Probleme mehr! Sobald ich die Schwimmnudel in Position brachte, begann Lanzelot sich voller Konzentration nach oben zu stemmen. Und wenn das ein Noriker macht, dann ist das richtig beeindruckend. 🤩

Und heute? Brauchen wir kein Rückentarget mehr, zumindest wenn ich auf Lanzelots nicht-hohler Seite stehe. Mit Rückentarget fällt es ihm aber trotzdem deutlich leichter, weshalb ich es nach wie vor sehr gerne einsetze. Aktuell experimentieren wir damit, auch die Hinterhand agiler zu bekommen und den gehobenen Brustkorb in die Bewegung mitzunehmen. Beides hängt zusammen und das fällt Lanzelot unheimlich schwer. Aber mittlerweile weiß ich: das ist alles nur eine Frage der Zeit und von meiner Kreativität. Ich habe Vertrauen in den Prozess und mache mir keine Sorgen mehr, dass etwas schief laufen könnte. Wir probieren einfach aus und sehen, wohin uns der Weg führt. 🤗

Fazit

Wie du siehst, ist mir beim Üben der Crunches mit meinen Pferden alles andere als langweilig geworden. Jedes Pferd ist einzigartig und jedes Pferd bringt seine eigenen Herausforderungen und Lösungen mit. Genauso, wie jeder Mensch auch! Dass ich meinen eigenen Pferden Crunches beigebracht habe, ist bereits einige Jahre her. In der Zwischenzeit durfte ich viele weitere Pferd-Mensch-Paare auf diesem Weg begleiten und sie haben mich noch mehr Kreativität gelehrt.

Dieser Artikel ist daher auch nicht als Anleitung für dich gedacht, sondern dazu, dir Ideen und Anregungen zu geben, mit denen du selbst experimentieren kannst. Und, um dir Mut zu machen, nicht aufzugeben wenn du vor Herausforderungen stehst. In all der Zeit habe ich gelernt: einfach machen ist immer besser als nicht machen. Je mehr verschiedene Ansätze zu probierst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein „guter“ dabei ist. Je mehr du variierst, desto weniger kannst du „falsch“ machen. Und das gilt ganz besonders für die Crunches: wenn du dich mit deinem Pferd festgefahren fühlst, dann ändere etwas. Ganz egal was. Die Umgebung, den Untergrund, deine Position, deine Ausrüstung. Füge Dinge hinzu (z. B. Stangen und Matten) und entferne andere Sachen (z. B. eine Mauer am Pferdepopo 😁). Und stelle stets sicher, dass du und dein Pferd Spaß daran haben. 🤗

Falls du es noch nicht kennst, möchte ich dich als Abschluss auch noch auf ein Video von Kathy Sierra zum Thema „Crunches“ aufmerksam machen: https://youtu.be/Q2N6j24fnwY

Viel Spaß beim Experimentieren! Und wie immer freue ich mich, wenn du mir in den Kommentaren über deine Erfahrungen berichtest – sowohl über die erfolgreichen, als auch über die „schiefgegangenen“. 😉

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